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07.04.2023 - Ivonne Stresius zu Gast bei der WIR

Am vergangenen Dienstag, dem 04.04.2023 lud die Wählerinitiative Reinfeld (WIR) erneut zu einer öffentlichen Fraktionssitzung. Wie bereits angekündigt, war Ivonne Stresius, die Vorsitzende des NABU Reinfeld/Nordstormarn zu Gast bei der WIR. Thema des Abends war „Die Verbesserung der Ökosystemleistung in den Reinfelder Teichen“. Dieses mit 1,3 Millionen Euro vom Bund geförderte Projekt startet noch in diesem Jahr. Vertreterinnen und Vertreter der WIR und die anwesenden Gäste folgten mit großem Interesse den Ausführungen von Frau Stresius.


Nach einer Einführung über das Ökosystem der 4 Reinfelder Teiche berichtete sie kurz über deren Historie. Die künstlich aufgestaute Heilsau hat ein Einzugsgebiet von immerhin 70 qkm. Bis heute hänge die Genehmigung zum Aufstauen der Heilsau und damit die Existenz des Herrenteiches unmittelbar mit der Teichwirtschaft zusammen. Sollte es also keine Teichwirtschaft mehr geben, dann stehe demnach auch die Genehmigung zum Aufstauen der Teiche auf dem Spiel.

„Der Zustand des Ökosystems der Reinfelder Teiche ist nicht gut“, so Stresius. „Wie schlecht er wirklich ist, soll unter anderem in dem Projekt untersucht werden.“ Klar sei bereits jetzt schon, dass der Nährstoffgehalt der Teiche viel zu hoch ist. Die negativen Folgen seien vielfältig. Die explosionsartige Vermehrung von Algen, insbesondere der schädlichen Blaualgen sowie die Abnahme der Biodiversität waren nur zwei der Auswirkungen, die umfänglich erläutert und diskutiert wurden. Für die hohe Belastung an Nährstoffen seien viele Ursachen zu finden. So würden noch immer aus 100 Hausklär-anlagen Abwässer in die Teiche eingeleitet, die lediglich spärlich vorgereinigt seien. Hinzu kämen Abwässer aus 6 kommunalen Kläranlagen und Regenwassereinleitungen sowie Oberflächenwasser aus der Landwirtschaft. „Uns geht es im ersten Schritt nicht darum, Schuldige zu suchen“, so Stresius. „Vielmehr wollen wir mit allen Beteiligten ins Gespräch kommen und nach Lösungen suchen.“ Angetan zeigte sie sich von der Mitarbeit vieler junger Landwirte. „Hier hat ein spürbarer Generationenwechsel stattgefunden. Die neue Generation der Landwirte ist gut ausgebildet und betreibe ihren Beruf auch ökologisch sehr verantwortungsbewusst “ betonte Stresius weiter. Viele dieser jungen Landwirte würden eng mit den Projektmitarbeitern zusammen arbeiten und unterstützten das Teichprojekt aktiv.

Nach der Bestandsaufnahme soll es bei dem Projekt dann auch um Maßnahmen gehen, um die ökologische Qualität der Teiche zu verbessern. „Hier sind wir alle gefragt !“ betonte Stresius.„Das jetzige Projekt kann nur als Startschuss verstanden werden. Viele Maßnahmen müssen folgen und Folgeprojekte sind notwendig, damit es eine nachhaltige Veränderung der Wasserqualität gibt.“


Im weiteren Vortrag ging es um Inhalte der Ökosystemleistung, die nur mit einer ausreichenden Biodiversität (Artenvielfalt) erhalten werden könne. Ein Verlust von Biodiversität ist bereits aus vielen Ökosystemen bekannt. Neu war den Anwesenden aber, dass auch Binnengewässer stark gefährdet sind und hier ebenfalls ein rapides Artensterben zu verzeichnen sei.


Am Ende Ihres Vortrages ging die Vorsitzende des NABU dann
darauf ein, welche notwendigen Schritte auch in Reinfeld gegangen werden müssten.
Das können wir tun:
- Bewusstseinsverankerung des Schutzes von Lebensräumen und biologischer Vielfalt in den Bereichen Politik und Verwaltung,
- Maßnahmen zum Schutz von Lebensräumen, wie z.B. umweltverträgliche Nutzung von Flächen,
- Flächen für Artenvielfalt sichern,
- Flächenverbrauch auf ein Minimum begrenzen,
- Einträge in die Umwelt reduzieren,
- neue Konzepte für Regenwasser entwickeln, um mehr Wasser auf der Fläche zurückzuhalten (versickern, verdunsten …)
- Bewusstsein für den Wert von „biologischer Vielfalt" stärken,
- eine Kommunale Biodiversitätsstrategie entwickeln.


„Diese Aufgaben nehmen wir als Politiker mit in die nächste Wahlperiode“ fasste der Stadtverordnete Manfred Schönbohm den Abend zusammen. „Das ist eine Aufgabe für uns als Gesellschaft und die WIR wird ihren Anteil dazu beitragen“, so Schönbohm weiter. Neben Politik, Verwaltung sowie Gesellschaft im allgemeinen würden sich die Projektbeteiligten aber auch um die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen kümmern, so Stresius. „Vom Kindergarten bis zum Abschlussjahrgang der Gemeinschaftsschule möchten wir die Reinfelder Kinder und Jugendlichen einladen, unser Projekt kennenzulernen. Dazu soll ein Bauwagen in der Nähe des Herrenteichs aufgestellt werden, in dem die Kinder und Jugendlichen projekthaft arbeiten können“. Und auch die Reinfelder Öffentlichkeit werde fortlaufend über den Stand des Projektes informiert, versprach Stresius, „mindestens einmal pro Jahr.“